Glossar
Orientierung bei psychischen Belastungen, Entwicklungswünschen, Psychotherapien und therapeutischen Rollen.
Überblick Inhalt
Psychische Belastungen
Mentale Gesundheit & Innere Stärke
Psychotherapien & Methoden
Die klassischen Richtlinienverfahren
Die humanistischen & achtsamkeitsbasierten Verfahren
Die integrativen & neurobiologischen fundierten Methoden
Rollen & Wer macht was?
Psychotherapien & Methoden
Welche psychotherapeutischen Verfahren sind wissenschaftlich anerkannt und werden von der Krankenkasse übernommen?
In Deutschland werden Verfahren als sogenannte Richtlinienverfahren eingestuft, wenn sie vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) als wissenschaftlich anerkannt und für die Versorgung als notwendig bewertet wurden. Aktuell gibt es vier anerkannte Richtlinienverfahren:
Analytische Psychotherapie
Systemische Therapie
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Verhaltenstherapie
Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sofern die Behandlung von einem psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten mit einer entsprechenden Kassenzulassung durchgeführt wird. Die klinische Arbeit orientiert sich maßgeblich an den S3-Leitlinien – dies sind evidenzbasierte Expertenempfehlungen für Diagnostik und Therapie, die eine Behandlung nach den neuesten wissenschaftlichen Standards garantieren.
Wie blickt die Analytische Psychotherapie (nach Sigmund Freud) auf psychische Probleme?
Während die Tiefenpsychologie das Scheinwerferlicht auf aktuelle Alltagskonflikte richtet, blickt die Analytische Psychotherapie (AP) tief in das seelische Innenleben und widmet sich dem gesamten Fundament der Persönlichkeit. Historisch auf den Grundlagen von Sigmund Freud aufbauend, versteht dieser Ansatz psychische Symptome wie chronische Ängste, Depressionen oder Beziehungsblockaden als den unwillkürlichen Ausdruck tief verwurzelter, unbewusster Konflikte oder verletzter seelischer Strukturen. Das menschliche Erleben wird dabei als ein ständiges, inneres Spannungsfeld zwischen unbewussten Wünschen, moralischen Ansprüchen und den harten Anforderungen der Realität betrachtet.
Wenn emotionale Kernbedürfnisse, wie das Streben nach Unabhängigkeit auf der einen Seite und die Sehnsucht nach Geborgenheit auf der anderen in den prägenden ersten Lebensjahren durch das Umfeld nicht ausreichend beantwortet werden konnten, entstehen innere Konflikte. Um den damit verbundenen seelischen Schmerz oder die Angst zu bewältigen, schaltet die Psyche unbewusste Abwehrmechanismen wie Verdrängung oder Projektion ein. Diese Mechanismen verbannen das ungelöste Problem zwar ins Unbewusste, binden dort aber wertvolle psychische Energie. Wird dieser verletzliche Zustand im späteren Leben durch Belastungen oder Krisen erschüttert, bricht dieses Schutzsystem zusammen. Das psychische Symptom bricht sich Bahn: Es ist im Grunde ein verzweifelter Kompromissversuch der Psyche, den verborgenen Konflikt gleichzeitig auszudrücken und vor dem Bewusstsein zu verstecken.
Der therapeutische Weg unterscheidet sich radikal von anderen Verfahren durch sein klassisches Langzeitsetting im Liegen: Der Betroffene liegt auf einer Couch und spricht im Rahmen der sogenannten freien Assoziation alle Gedanken, Bilder, Erinnerungen und Träume vollkommen unzensiert aus, ohne den Therapeuten direkt anzusehen. Dies fördert eine bewusste, heilsame Rückkehr zu tieferen emotionalen Schichten (Regression). Ein wichtiges Werkzeug ist das Beziehungsgeschehen im therapeutischen Raum, beschrieben durch Übertragung und Gegenübertragung: Unbewusst und unwillkürlich spiegelt der Betroffene seine alten, lebensgeschichtlichen Beziehungsmuster und Ängste auf den Analytiker. Dieser nutzt seine eigene emotionale Resonanz als feines diagnostisches Instrument. Durch das geduldige Erkennen, Benennen und Durcharbeiten dieser Beziehungsdynamiken in einem geschützten Raum werden die unbewussten, blockierenden Strukturen Schritt für Schritt ins Bewusstsein geholt. Sie werden emotional neu erlebt und durch die verlässliche, korrigierende Beziehungserfahrung mit dem Analytiker nachhaltig aufgelöst.
Was ist Systemische Therapie, wie funktioniert der systemische Ansatz und was meint IFS?
Die Systemische Therapie wirft einen völlig neuen Blick auf das, was gemeinhin als psychische Störung oder persönliches Defizit bezeichnet wird. Sie betrachtet den Menschen nicht als isolierte Insel, sondern als Teil eines lebendigen, vernetzten Beziehungsgefüges, wie einer Familie, einer Partnerschaft oder eines Teams am Arbeitsplatz. Ein psychisches Symptom oder ein Gefühl von Überforderung wird hier nicht als Störung einer einzelnen Person verstanden. Vielmehr gleicht es einem Warnsignal in einem fein austarierten Mobile: Wird an einer Figur gezogen, gerät das gesamte System in Bewegung. Ein Symptom erfüllt innerhalb dieses Gefüges oft eine unbewusste, stabilisierende Funktion oder stellt den bestmöglichen, wenn auch schmerzhaften Versuch dar, mit chronischen Spannungen im Umfeld umzugehen.
Die systemische Praxis verabschiedet sich von der klassischen Suche nach einer einfachen Ursache-Wirkungs-Kette in der Vergangenheit. Stattdessen richtet sich der Fokus auf die sogenannte zirkuläre Kausalität im Hier und Jetzt: Wie bedingen, verstärken und stabilisieren sich die Verhaltensweisen und Kommunikationsmuster aller Beteiligten gegenseitig? Der therapeutische Prozess ist dabei von einer tiefen Achtung vor den bisherigen Lebensleistungen erfüllt. Er sucht nicht nach Schuldigen, sondern nach den Mustern, die das Problem unbemerkt aufrechterhalten. Die Haltung des Therapeuten ist allparteilich: das bedeutet, jede Perspektive innerhalb des Systems wird gleichermaßen gewürdigt und wertgeschätzt.
Die Arbeitsweise ist lebendig, lösungsorientiert und nutzt ein facettenreiches Spektrum an kreativen Methoden. Ein zentrales Werkzeug ist die Externalisierung, bei der Probleme sprichwörtlich von der Person getrennt und als äußere Kraft greifbar gemacht werden, getreu dem Leitsatz der Therapeuten Michael White und David Epston: „Nicht die Person ist das Problem, sondern das Problem ist das Problem“. Durch zirkuläre Fragen werden Beteiligte eingeladen, die Perspektive anderer Systemmitglieder einzunehmen, was oft zu überraschenden Aha-Erlebnissen führt. Skulpturarbeit und Familienaufstellungen machen Beziehungsdynamiken und emotionale Distanzen metaphorisch im Raum sichtbar, während Genogramme mehrgenerationale Muster entschlüsseln.
Eine bedeutende moderne Brücke zur inneren Welt bietet zudem das Internal Family System (IFS) Modell. Es überträgt die Prinzipien der systemischen Familientherapie auf die Innenwelt der Person und versteht auch die eigene Psyche als ein System aus verschiedenen inneren Anteilen (wie Beschützern oder verletzten Seiten), die miteinander interagieren. Das übergeordnete Ziel der Systemischen Therapie ist es immer, starre Zuschreibungen aufzubrechen, verborgene Ressourcen zu aktivieren und neue, gesündere Handlungsspielräume für alle Beteiligten zu eröffnen.
Was ist Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und wie unterscheidet sie sich von der Psychoanalyse?
Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) basiert zwar auf den theoretischen Grundlagen der Psychoanalyse, hat sich jedoch zu einem eigenständigen, pragmatischen Richtlinienverfahren entwickelt. Während die klassische Psychoanalyse eine tiefgreifende Umstrukturierung der Gesamtpersönlichkeit in einem hochfrequenten, regressionsfördernden Couch-Setting anstrebt, fokussiert die TP die zeitnahe Bewältigung aktueller, akuter Konflikte im Hier und Jetzt. Das therapeutische Setting spiegelt diesen Unterschied wider: Die Sitzungen finden in der Regel einmal wöchentlich im Sitzen (von Angesicht zu Angesicht) statt. Der Therapeut nimmt dabei eine deutlich aktivere, strukturiertere und supportivere Rolle ein als der klassisch-abstinente Analytiker.
Das theoretische Fundament der TP geht davon aus, dass aktuellen psychischen Symptomen, wie Depressionen oder Ängsten ein unbewusster Konflikt zugrunde liegt. Dieser „aktuelle Konflikt“ wird meist durch ein konkretes Lebensereignis (z. B. eine Trennung, einen Arbeitsplatzverlust oder eine chronische Überlastung) reaktiviert. Er steht jedoch in einer dynamischen Verbindung mit einem „vulnerablen Hintergrundkonflikt“ aus der Lebensgeschichte des Patienten. In der Therapie wird nicht die gesamte Kindheit systematisch aufgearbeitet, sondern es wird gezielt untersucht, wie alte, unbewusste Beziehungsmuster und Abwehrmechanismen das gegenwärtige Erleben und Verhalten blockieren. Neben diesen klassischen Konflikten integriert die moderne TP auch Aspekte der Strukturdiagnostik, um Defizite in den grundlegenden psychischen Funktionen (wie der Selbst- und Fremdwahrnehmung oder der Affektregulation) gezielt zu stabilisieren.
Der therapeutische Prozess ist konsequent konfliktzentriert und zukunftsgerichtet. Übertragung und Gegenübertragung werden zwar als diagnostische und therapeutische Werkzeuge genutzt, jedoch primär bezogen auf die aktuelle therapeutische Beziehung und die Alltagskonflikte des Patienten, ohne eine tiefe regressive Neurose zu forcieren. Durch das bewusste Klären, Konfrontieren und Deuten des aktuellen Konfliktgeschehens erlangt der Patient emotionale Einsicht in seine unbewussten Dynamiken. Dies ermöglicht es ihm, flexiblere Bewältigungsstrategien zu entwickeln und Symptome nachhaltig zu reduzieren. Die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist in Deutschland das am häufigsten durchgeführte Richtlinienverfahren, dessen Kosten bei entsprechender Indikation vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.
Wie funktioniert die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und was sind die Methoden der dritten Welle?
Im Laufe des Lebens entwickelt die menschliche Psyche eine Art innere Brille, durch die die Welt und das eigene Selbst betrachtet werden. Wenn diese Brille durch negative Erfahrungen getrübt ist, werden Situationen im Alltag vermehrt als bedrohlich, kränkend oder ausweglos bewertet. Genau hier setzt die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) an. Sie versteht psychische Beschwerden wie Ängste oder Depressionen als das Ergebnis von eingeprägten, ungünstigen Denkmustern und Verhaltensweisen, die im Laufe des Lebens erlernt wurden. Im Gegensatz zu Verfahren, die primär in der frühen Kindheit nach verborgenen Ursachen forschen, blickt die KVT ganz pragmatisch auf die Gegenwart: Untersucht wird, was genau das Problem im aktuellen Alltag aufrechterhält.
Gedanken, Gefühle und das Handeln beeinflussen sich dabei ständig gegenseitig. Wird eine Situation als schwierig bewertet, entstehen unangenehme Emotionen. Die Folge ist häufig ein Rückzug oder das Vermeiden des Auslösers. Dies führt zu einem psychischen Teufelskreis, da dem Gehirn die Chance genommen wird, neue, positive Erfahrungen zu machen. Die KVT bricht diesen Kreislauf auf. Die Therapie ist transparent, arbeitet zielgerichtet auf Augenhöhe und folgt dem übergeordneten Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“: Betroffene werden aktiv dazu angeleitet, Experten für die eigene Genesung zu werden. Um zu verstehen, wie flexibel die moderne Verhaltenstherapie arbeitet, hilft ein Blick auf ihre Entwicklung, die sich historisch in drei großen Innovationswellen bewegt hat.
Die erste Welle: Das Verhalten verändern
In den Anfängen konzentrierte sich das Verfahren ganz konkret auf das sichtbare Handeln. Der zugrundeliegende Ansatz besagt, dass alles, was einmal gelernt wurde, auch wieder verlängert werden kann. Bei einer Phobie beispielsweise lernen Betroffene in der sogenannten Reizkonfrontation oder Exposition, sich der Angst bewusst zu stellen. Durch das bewusste Aushalten der Situation stellt das Nervensystem fest, dass die erwartete Katastrophe ausbleibt. Die Angst lässt nach, und die neuronale Verknüpfung im Gehirn wird neu beschrieben.
Die zweite Welle: Die Gedanken verändern
Später zeigte sich, dass es nicht ausreicht, nur das äußere Handeln zu modifizieren. Es kommt maßgeblich darauf ein, wie Menschen über die Dinge denken. Im Fokus steht seitdem die kognitive Umstrukturierung: Gemeinsam werden automatische, dysfunktionale Gedanken aufgespürt und kritisch, aber wertschätzend hinterfragt. Ein wichtiges Werkzeug ist hierbei der Sokratische Dialog. Sie ist eine geschickte Gesprächsführung, bei der Betroffene durch gezielte Fragen selbst herausfinden, wo sich Denkfehler eingeschlichen haben, um diese durch realistischere Bewertungen zu ersetzen.
Die dritte Welle: Achtsamkeit, Gefühle und Akzeptanz
Die moderne Verhaltenstherapie geht noch einen Schritt weiter, da sich manche Gedanken und Gefühle nicht einfach wegerklären oder verändern lassen. Die dritte Welle konzentriert sich deshalb darauf, wie ein Mensch zu seinen inneren Zuständen steht. Statt gegen schmerzhafte Emotionen anzukämpfen, wird gelernt, diese achtsam wahrzunehmen und anzunehmen. Aus dieser modernen Bewegung sind vier hochwirksame Ansätze entstanden:
ACT (Akzeptanz- und Commitmenttherapie): Hier steht die Erhöhung der psychischen Flexibilität im Mittelpunkt. Statt Energie darauf zu verwenden, unangenehme Gefühle wegzudrücken, wird gelernt, diese als Teil des Lebens wertfrei anzunehmen (Akzeptanz). Gleichzeitig wird das Handeln konsequent an den ganz persönlichen Lebenswerten ausgerichtet (Commitment).
DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie): Dieser Ansatz wurde speziell für Menschen entwickelt, die von ihren Emotionen regelrecht überschwemmt werden (wie bei einer Borderline-Störung). Die DBT verbindet die KVT mit Elementen der Achtsamkeit aus dem Zen. Im Mittelpunkt steht ein strukturiertes Skilltraining, das konkrete Notfall-Werkzeuge vermittelt, um Gefühle zu regulieren und extreme Anspannungen gesund auszuhalten.
CBASP: Dieses Verfahren ist ein Spezialist für die Behandlung chronischer Depressionen. Da sich Betroffene oft völlig isoliert und hilflos fühlen, nutzt CBASP strukturierte Situationsanalysen, um im Alltag wieder glasklar zu erkennen, wie das eigene Verhalten auf die Mitmenschen wirkt. So gelingt der Ausbruch aus der sozialen Isolation.
Schematherapie: Sie schlägt eine elegante Brücke zur Tiefenpsychologie. Wenn emotionale Kernbedürfnisse der Kindheit (wie Sicherheit, Liebe und Autonomie) verletzt wurden, entstehen starre emotionale Muster, sogenannte Schemata. Die Schematherapie arbeitet mit diesen inneren Anteilen (wie dem verletzten Kind oder dem inneren Kritiker), um die alten Wunden im Hier und Jetzt zu heilen und das gesunde, erwachsene Ich nachhaltig zu stärken.
Was ist Gesprächspsychotherapie und wie funktioniert der personenzentrierte Ansatz?
Die Personenzentrierte Psychotherapie, in der Praxis oft als Gesprächspsychotherapie bezeichnet, basiert auf einem zutiefst wertschätzenden Menschenbild. Der Ansatz geht davon aus, dass jeder Mensch ein natürliches, innewohnendes Potenzial zur Selbstentfaltung, Reifung und positiven Veränderung besitzt. Psychisches Leiden entsteht aus dieser Sicht dann, wenn diese Entfaltung durch äußere Erwartungen, Bewertungen oder schmerzhafte Erfahrungen blockiert wird. Dadurch stimmt das eigene Selbstbild nicht mehr mit den tatsächlichen, inneren Gefühlen überein.
Das therapeutische Setting möchte durch das bedingungslose Annehmen der Person eine neue Beziehungserfahrung gestalten. Dies geschieht ganz bewusst ohne autoritäre Vorgaben oder Analysen. Stattdessen tragen drei wesentliche Säulen in der Haltung des Therapeuten den gesamten Prozess: bedingungslose Wertschätzung für die Person, ein tiefes, einfühlendes Verstehen (Empathie) und absolute Echtheit (Kongruenz). In einer so geschaffenen, vollkommen bewertungsfreien Atmosphäre wird es möglich, verdrängte Gefühle angstfrei zu erkunden. Das Vertrauen in das eigene So-Sein kehrt zurück, und das Selbstwertgefühl wird nachhaltig gestärkt.
Was ist Gestalttherapie und was steht im Mittelpunkt der Behandlung?
Die Gestalttherapie ist ein lebendiges, erfahrungsorientiertes Verfahren, das den Fokus auf das Hier und Jetzt richtet. Psychische Probleme und Blockaden werden als „unerledigte Geschäfte“ oder unbewusste Kontaktunterbrechungen mit der Umwelt verstanden. Wenn alte Verletzungen oder unterdrückte Gefühle aus der Vergangenheit nicht vollständig verarbeitet wurden, ragen sie wie unfertige Gestalten in die Gegenwart hinein und rauben Lebensenergie. Statt nur abstrakt über Probleme zu sprechen, lädt die Gestalttherapie dazu ein, diese im aktuellen Moment körperlich und emotional spürbar zu machen. Gearbeitet wird mit dem unmittelbaren Erleben im Raum, mit kreativen Experimenten und dem bewussten Wahrnehmen von Körpersignalen. Ein bekanntes Werkzeug ist die Technik des „leeren Stuhls“, auf dem symbolisch ein innerer Anteil oder eine Konfliktperson Platz nimmt, um in einen direkten, klärenden Dialog zu treten. Das Ziel ist es, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, die Verantwortung für das eigene Handeln zurückzugewinnen und die innere Ganzheitlichkeit wiederherzustellen.
Was ist Kognitive Analytische Therapie (CAT) und wie funktioniert sie?
Die Kognitive Analytische Therapie (CAT) lässt sich als eine Art innerer Kompass verstehen, der dabei hilft, wiederkehrende Sackgassen im eigenen Verhalten und in Beziehungen zu navigieren. Als moderner, integrativer Ansatz verbindet sie die pragmatischen Werkzeuge der Verhaltenstherapie mit dem tiefen psychodynamischen Verständnis für die eigene Lebensgeschichte. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht das gemeinsame Erstellen einer Landkarte: Wiederkehrende, unbewusste Beziehungsrollen und blockierende Verhaltensmuster werden in Form von anschaulichen Diagrammen visuell „kartiert“. Auf diese Weise wird schnell und präzise sichtbar, woher diese Schutzstrategien stammen und wie sie den aktuellen Alltag ungewollt einschränken. Durch diese plastische Verbildlichung gelingt es, die unbewussten Automatismen im entscheidenden Moment zu stoppen und flexiblere, gesündere Wege des Handelns einzuschlagen.
Was ist MBCT und wie hilft Achtsamkeit bei Depressionen?
Das Programm MBCT (Mindfulness-Based Cognitive Therapy), die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie, lässt sich als ein inneres Frühwarnsystem und Schutzschild gegen emotionale Abwärtsspiralen beschreiben. Entwickelt wurde dieser Ansatz speziell für Menschen, die nach einer überstandenen Depression stabil bleiben möchten. Bei einer durchlebten depressiven Phase ist das Gehirn sehr sensibel: Schon ein völlig normaler, kleiner Einbruch der Stimmung im Alltag oder ein stressiger Tag reichen aus, um im Kopf eine automatische Lawine aus alten, destruktiven Grübelschleifen und Selbstzweifeln loszutreten. MBCT setzt genau an dieser Schnittstelle an. Durch das systematische Erlernen von Achtsamkeit wird eingeübt, aufkommende trübe Gedanken und körperliche Anspannungen rechtzeitig zu bemerken, anstatt unbewusst in sie hineinzuschlittern. Anstatt diese schmerzhaften Zustände zu bekämpfen oder zu unterdrücken, ermöglicht die Methode eine innere Beobachterposition einzunehmen und die Gefühle wertfrei da sein zu lassen. Dadurch wird die Identifikation mit dem Schmerz gemindert. Belastende Gedanken verlieren ihre Bedrohlichkeit: sie werden nicht mehr als absolute Wahrheiten erlebt, sondern als vorübergehende, mentale Wetterereignisse im Kopf, die auftauchen und wieder vorbeiziehen dürfen.
Für was steht EMDR und wie funktioniert das?
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), eine spezialisierte Methode der Traumatherapie, wirkt wie ein Katalysator für die körpereigene seelische Wundheilung. Wenn ein Mensch ein zutiefst erschütterndes, bedrohliches oder überwältigendes Ereignis erlebt, gerät das Gehirn in einen Zustand von starkem Stress. In diesem Alarmmodus kann es passieren, dass die Verarbeitung der Erlebnisse blockiert wird. Die Bilder, Geräusche, Gefühle und Körperreaktionen des Vorfalls können nicht vollständig verarbeitet werden und sind isoliert im Nervensystem „eingefroren“. Im späteren Alltag kann ein winziger, unbewusster Auslöser reichen, ein bestimmter Geruch, ein Geräusch oder ein Blick, und das traumatische Erlebnis wird aktiviert, als würde die Katastrophe im Hier und Jetzt erneut geschehen. Die EMDR-Methode hilft dem Gehirn dabei, diesen steckengebliebenen Verarbeitungsprozess nachträglich zu Ende zu führen. Das zentrale Werkzeug ist die sogenannte bilaterale Stimulation: Während das belastende Ereignis gedanklich kurz fixiert wird, führt der Therapeut den Blick des Betroffenen durch rhythmische Handbewegungen von links nach rechts. Diese abwechselnde Stimulation beider Gehirnhälften bringt die blockierte Verarbeitung wieder in Fluss. Das Gehirn erhält die Chance, das Erlebte neu zu sortieren, mit gesunden inneren Ressourcen zu verknüpfen und als abgeschlossene Erinnerung auf der eigenen Lebenslandkarte abzulegen. Das Ereignis wird dadurch nicht vergessen, aber die quälende emotionale Ladung verblasst spürbar.
Was ist Hypnotherapie nach Milton Erickson und wann wird sie angewendet?
Die Hypnotherapie nutzt das Phänomen der therapeutischen Trance, um eine Brücke zu den tiefen, oft ungenutzten Schichten des Bewusstseins zu schlagen. Im Alltag läuft Denken und Verhalten meist rational und kontrolliert ab. In einem Zustand von Trance, der sich wie eine tiefe, nach innen gerichtete Konzentration anfühlt, wird der kritische Verstand ein Stück weit in den Hintergrund gebracht. Dies ermöglicht einen direkten und kreativen Dialog mit dem Unbewussten. In diesem geschützten Zustand können emotionale Blockaden langsam gelockert werden. Gleichzeitig wird der Zugang zu verborgenen, oft vergessenen persönlichen Stärken und Ressourcen frei. Die Hypnotherapie versteht das Unbewusste als eine Schatzkiste voller Lösungen, um die angeborenen Selbstheilungskräfte der Psyche aktiv anzuregen und neue Perspektiven für den Alltag zu entwickeln.
Rollen & Wer macht was?
Was qualifiziert einen Heilpraktiker für Psychotherapie?
Ein Heilpraktiker für Psychotherapie besitzt die staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz (HeilprG). Nach einer erfolgreich abgelegten amtsärztlichen Überprüfung sind diese Behandler zur eigenständigen Diagnose und Therapie psychischer Störungen befugt. Sie können wissenschaftlich anerkannte Verfahren anwenden, wie zum Beispiel die Systemische Therapie. Eine direkte Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen ist im Regelfall nicht möglich. Die Honorierung erfolgt als Selbstzahler, über private Krankenversicherungen oder über entsprechende Heilpraktiker-Zusatzversicherungen.
Ist ein Psychologe ein Psychotherapeut?
Psychologen haben ein Hochschulstudium der Psychologie mit einem Diplom oder Master abgeschlossen. Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Erleben und Verhalten von Menschen in allen Lebensbereichen, wie der Wissenschaft, Wirtschaft oder in sozialen Strukturen. Ein Studium der Psychologie allein befugt jedoch nicht zur Ausübung von Psychotherapie. Hierfür ist eine zusätzliche, staatlich geregelte Qualifikation erforderlich, wie die Approbation oder die Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz.
Was macht ein Psychologischer Psychotherapeut?
Ein Psychologischer Psychotherapeut diagnostiziert und behandelt psychische Störungen mittels wissenschaftlich anerkannter, non-medikamentöser Therapieverfahren. Im Gegensatz zu Psychiatern besitzen Psychologische Psychotherapeuten kein Medizinstudium und verschreiben keine Medikamente. Die Voraussetzung für die staatliche Heilzulassung (Approbation) regelt sich nach dem Studienbeginn: Wer das Psychologiestudium bis zum 31.08.2020 aufgenommen hat, erlangt die Zulassung über das alte System mittels Diplom- oder Masterabschluss und anschließender postgradualer Zusatzausbildung. Bei einem Studienbeginn ab dem 01.09.2020 erfolgt die Qualifikation im neuen System direkt über ein reformiertes Bachelor- und Masterstudium der Klinischen Psychologie und Psychotherapie mit anschließender Approbationsprüfung, wodurch eine nachgelagerte Zusatzausbildung entfällt. Sie sind zur Anwendung eines der gesetzlich anerkannten Richtlinienverfahren befugt. In der Regel besitzen sie eine Kassenzulassung, die eine direkte Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ermöglicht.
Was unterscheiden sich Neurologen von Psychiatern?
Neurologen sind Mediziner, die sich auf organische und körperliche Erkrankungen des Nervensystems spezialisieren, wie beispielsweise Multiple Sklerose, Epilepsie oder Migräne. Sie klären ab, ob psychische Symptome eine rein körperliche Ursache haben.
Psychiater hingegen sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie betrachten psychische Leiden primär aus medizinischer Sicht, beispielsweise als biochemische Prozesse im Gehirn. Sie sind dazu befugt, Medikamente (Psychopharmaka) zu verschreiben sowie klinische Einweisungen vorzunehmen.
Darf ein Therapeut Psychotherapie anbieten?
Der Begriff „Therapeut“ allein ist in Deutschland keine rechtlich geschützte Berufsbezeichnung und nicht in §132a StGB erfasst.
Die Behandlung von psychischen Erkrankungen ist gesetzlich streng geregelt und ausschließlich Ärzten, approbierten Psychotherapeuten und Heilpraktikern vorbehalten. Daher ist es für Suchende ratsam, stets auf die genaue und vollständige Berufsbezeichnung zu achten.
Sophienstraße 5
80333 München




